Skandinavien ist im geografischen Sinn die skandinavische Halbinsel, auf der die Staaten Norwegen und Schweden liegen. Unter kulturellen, historischen und sprachlichen Gesichtspunkten wird Skandinavien hingegen aus den drei Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden gebildet.

Finnland, das historisch und politisch mit diesen drei Staaten verbunden ist, wird teilweise als skandinavisches Land begriffen, auch wenn die finnische Sprache keine gemeinsamen Wurzeln mit den Sprachen der drei ursprünglichen skandinavischen Staaten hat. In einem noch weiter gefassten Begriff werden mitunter Island, das im Mittelalter von Skandinaviern besiedelt wurde, sowie die beiden politisch an Dänemark gebundenen Färöer und Grönland zu Skandinavien gerechnet. Einige Gelehrte sind der Meinung, dass möglicherweise Thule der antike Name für Skandinavien sein könnte.

Die Geschichte Skandinaviens ist durchaus nicht einheitlich, sondern lässt sich als Geschichte Dänemarks, Norwegens und Schwedens getrennt darstellen. Dennoch bestehen über lange Zeit enge politische Zusammenhänge.

Über 500 Jahre bestand eine Gemeinsamkeit im quasi außenpolitischen Bereich, als vom Überfall des dänischen Kleinkönigs Chlochilaicus auf Gallien (517) bis zum unglücklichen Zug Harald Hardrades gegen England 1066 die Wikinger ihre Raub- und Kriegszüge auf alle europäischen Küstengebiete, aber auch bis tief nach Russland ausdehnten. Eine andere Gemeinsamkeit stellt lange Zeit die Ablehnung des Christentums dar in Zeiten, als es im westlichen Europa schon Jahrhunderte verbreitet war. Außerdem ist die große Bedeutung der Jarle, die zunächst nur Anführer von Beutezügen waren, als solche aber sehr reich und mächtig wurden, für diese Zeit charakteristisch. Deshalb entwickelte sich das Lehnswesen in Skandinavien deutlich langsamer als in Kerneuropa, und die Leibeigenschaft setzte sich nicht vollständig durch.

Neben diesen allgemeinen Gemeinsamkeiten gab es aber auch Zeiten, in denen mehrere der skandinavischen Länder unter einer Herrschaft vereinigt waren, so waren schon unter Knut dem Großen von 1028 bis 1035 Dänemark, Norwegen und (lockerer) Schweden sowie auch England in einem Reich vereinigt. Dänemark und Norwegen standen bald darauf von 1042 bis 1046 unter der gemeinsamen Herrschaft Magnus des Guten. Doch die Hauptzeit der gemeinsamen politischen Entwicklung liegt in der Kalmarer Union, der die Länder Dänemark, Norwegen und Schweden von 1397-1523 in Personalunion verbunden waren. In dieser Zeit verlor Norwegen deutlich an politischer Selbständigkeit, so dass nach dem Ausscheiden Schwedens aus der Kalmarer Union mit der dänisch-norwegischen Personalunion bis 1814 praktisch eine dänische Vorherrschaft bestand, die 1814 von der schwedisch-norwegischen Union abgelöst wurde, die bis 1905 andauerte.

Historisch gesehen gehört auch Finnland seit der schwedischen Eroberung durch König Erik IX. 1154 bis zum Verlust an Russland im Vertrag von Fredrikshamn 1809 zu Skandinavien.